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Yusuf GENÇ

MAUSOLEUM ATATÜRKS (ANITKABIR)

Idee zum Mausoleum                                                           

Das Leben des großen Führers Mustafa Kemal Atatürk, der das türkische Volk durch den Begfreiungskrieg und alle darauffolgenden Reformen geleitet und ihm zum Status einer modernen Zivilisation verholfen hatte, nahm leider am 10.11.1938 ein Ende. Atatürk verstarb im Alter von 57 Jahren.

Er war ein großes Vorbild gewesen, das die Türkei mit ihren Staatsreformen zu einem fähigen Mitglied der zivilisierten Gesellschaft gebracht hatte. Nach seinem Tod wollte man ihm und seiner Größe ein Denkmal setzen, ein Monument, welches seine Gedanken und Prinzipien widerspiegeln sollte. So wurde aus der tiefen Trauer um seinen Tod heraus die Idee für den Bau eines Mausoleums geboren.

 

Hügel Rasattepe (Anıttepe)

Der Hügel Rasattepe, der mit seiner Beobachtungsstation zunächst anderen Zwecken gedient hatte, wurde est später Anıttepe (Monumentshügel) genannt.

Gleichzeitig wusste man natürlich, dass der Hügel keinen natürlichen Ursprung hatte, sondern der Kultur der Phryger im 12. Jahrhundert v. Chr. als Grabhügel gedient hatte. Nachdem man sich entschlossen hatte, auf diesem Museum das Monument zu errichten, musste zunächst ein Archäologenteam das Innere des Hügels untersuchen. Die bei den Ausgrabungen zutage geförderten historischen Gegenstände sind heute im Ethnografischen Museum ausgestellt.

 

Bau des Monumentes

Nachdem das Projekt für das Bauwerk feststand, machte man sich daran, die Sozialisierungsarbeiten einzuleiten. Am 9.10.1944 wurde mit einer feierlichen Zeremonie der Grundstein gelegt. Die Bauarbeiten sollten innerhalb von 9 Jahren in vier Stufen vervollständigt werden.

 

Erster Bauabschnitt

Am 9.10.1944 begann man mit der Errichtung des Fundaments und den Stützmauern für die Löwenstraße. 1945 konnte diese Arbeit abgeschlossen werden.

 

Zweiter Bauabschnitt: 1945 – 1950

Am 29.9.1945 fing man mit dem Bau der Gebäude rings um den Festplatz an, der am 8.8.1950 beendet war. Gleichzeitig arbeitete man an den Berechnungen für das Monument aus Beton und Stein, das nicht zu schwer sein durfte, um das Fundament nicht zu sehr zu belasten. Ende 1947 waren die Ausschachtungs- und die Isolationsarbeiten beendet und eine 11 m hohe Eisenbetonkonstruktion für den Unterbau des Monuments konnte geschaffen werden.

Auch die Eingangstürme, die Wege und Straßen, sowie eine Baumschule, die Garten- und Parkgestaltung und die Bewässerungsanlage konnte in diesem Abschnitt fertiggestellt werden.

 

Dritter Bauabschnitt: 1950

Die Auffahrtswege, die Löwenstraße, das Bepflastern des Festplatzes und des Mausoleumbodens, die Anfertigung der Stufen für die Treppen, sowie die Ausrichtung des Sarkophags fallen in diesen Zeitabschnitt.

 

Vierter Bauabschnitt: 1950 – 1953

Jetzt wurde die Ehrenhalle ausgestattet und die Wandabschlüsse mit Steinleisten

verziert. Die Grundkonstruktion für das Gewölbe wurde angelegt. Am 20.11.1950 begannen die Arbeiten, die am 1.9.1953 beendet waren.

In den Bauplänen für das Monument hatte man ursprünglich an die Errichtung eines auf Säulen getragenen Gewölbesystems gedacht. Am 4.12.1951 fragte die Regierung allerdings bei den zuständigen Architekten an, ob man den Bau eventuell beschleunigen könne, wenn man auf das Gewölbe verzichten und das gesamte Bauwerk damit 28m niedriger als geplant werden würde.

Nach neuen Berechnungen entschloss man sich zu einer geraden Eisenbetondecke, womit der gesamte Bau auch gleichzeitig leichter für das Fundament wurde.

Zur Verkleidung des Betonbaus wurden farbige Travertinsteine benutzt, die in ihrer Porösität auch sehr leicht zu bearbeiten waren. Für die Innenausstattung des Mausoleums verwendete man Marmor.

Das Travertingestein der Skulpturengruppen, der Löwenfiguren und der Säulen des Mausoleums stammt aus dem Kreis Pınarbaşı bei Kayserei, die weißen Travertinsteine, die im Inneren der Türme zu sehen sind, stammen aus Polatlı und Malıköy.

Die schwarzen und roten Steine, mit denen der Boden des Festplatzes und der Türme belegt sind, wurde aus Boğazköprü, in der Nähe Kayseris, geliefert. Das gelbe Travertingestein, welches in Çankırı Eskipazar abgebaut wird, diente bei den Siegesreliefs, der Aussenmauer der Ehrenhalle und den Säulen des Festplatzes als Material.

Der cremefarbene, rote, und schwarze Marmor, mit dem der Fußboden in der Ehrenhalle ausgelegt ist, stammt aus Çanakkale, Hatay und Adana, der grüne Marmor aus Bilecik, der tigerfellfarbene Marmor an den Wänden der Ehrenhalle wurde aus Afyon geschickt. Der große Steinblock für den Sarkopharg hatte man aus der Provinz Osmaniye bei Adana kommen lassen, während seine weiße Marmorverkleidung aus Afyon stammt.

 

Die architektonischen Besonderheiten des Monuments

In der türkischen Architektur nennt man die Jahre zwischen 1940 und 1950 die “Zweite Nationale Architekturepoche”. Die Schwerpunkte in dieser Zeit liegen in dem monumentalen Charakter der Bauwerke. Auf Symmetrie wurde großen Wert gelegt, das Baumaterial besteht größtenteils aus Steinquadern. Auch das “Anıtkabir” weist alle diese Besonderheiten auf, obwohl bei den Verzierungsarbeiten gern seldschukische und osmanische Motive verwendet wurden, so z. B. finden wir zwischen Wand und Dach Bordüren, die man in der seldschukischen Steinmetzarbeit “Sägezähne” nannte. An anderen Stellen finden wir seldschukische und osmanische Motive in Form von Rosetten und Feuerrädern z. B. im Soldatenturm und im Gebäude der Museumsverwaltung vor.

Dieses für seine Zeit so  und bestehttypische Bauwerk steht auf einem Gelände von ca. 750.000 m aus zwei Teilen, dem Friedenspark und dem Monument .

 

Friedenspark

Inspiriert durch ein Zitat Atatürks “Frieden im Land, Frieden in der Welt”, hat man nicht nur aus diversen Gebieten der Türkei, sondern auch aus verschiedenen fremden Ländern Baumschößlinge kommen lassen, die nun den Friedenspark verzieren. Sie wurden u.a. aus Afghanistan, U.S.A., Deutschland, Österreich, Belgien, China, Dänemark, Finnland, Frankreich, Indien, dem Irak, England, Spanien, Israil, Schweden, Italien, Japan, Kanada, Zypern, Ägypten, Norwegen, Portugal, Jugoslawien und Griechenland geliefert.

Insgesamt 48.500 Bäume, Sträucher und Pflanzen, 104 verschiedener Arten sind inzwischen in dem Park zu bewundern.

 

Monument

Das Monument besteht aus drei Teilen:

Löwenstraße

Festplatz

Mausoleum

Wenn man vom Stadtteil Tandoğan aus den Friedenspark betritt, errreicht man über einen Weg zunächst die 26stufige Treppe, die zu der von beiden Seiten mit Löwen flankierten Straße führt. Rechts und links von der Treppe erheben sich die Türme “Freiheit” und “Unabhängigkeit”.

In der Gesamtanlage des Monuments sind insgesamt 10 Türme in symmetrischer Anordung angelegt. Diese Türme veranschaulichen mit ihrer Ausstattung 10 Begriffe, die für das türkische Volk und die Staatsbildung von Bedeutung waren. Vom Plan her sind sich die Türme ähnlich. Sie sind auf einem fast quadratischen Grundriss von 12 x 14 m angelegt und tragen ein Dach in Pyramidenform, auf dessen Spitze, wie bei den früheren türkischen Zelten, eine aufgerichtete Lanzenspitze angebracht ist. Die Fresken weisen geometrische Kelim- und Teppichmotive auf.

An den Innenwänden finden wir Zitate Atatürks, die sich auf den jeweiligen Namen des Turmes beziehen.

 

Freiheitsturm

Rechts am Beginn der Löwenstraße sehen wir den Freiheitsturm. Das Relief im Inneren des Turms zeigt einen Jungen, der mit beiden Händen ein Schwert umfasst hält, während neben ihm auf einem Felsblock ein Adler sitzt. Der Adler war in der Mytologie und der seldschukischen Kunst ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit, der Junge mit dem Schwert steht für das türkische Volk, was dieselbe verteidigt. Das Relief wurde von dem Künstler Zühtü Müridoğlu geschaffen.

Folgende Zitate Atatürks sind an den Wänden in Bordürenform wiedergegeben:

“Als es fast so aussah, dass unser Volk ein schreckliches Ende erwartete, entschied es sich, anstelle einer Knechtschaft, für den Kampf und folgte dem inneren Ruf seiner Vorväter in den Befreiungskrieg.” 1921

“Leben bedeutet kämpfen und kriegen. Erfolg im Kampf, bedeutet auch Erfolg im Leben.” 1927

“Wir sind ein Volk, das Leben und Unabhängigkeit fordert, und nur dafür sind wir bereit, unser Leben zu opfern.” 1921

“Es kommt nicht in Frage, um Gnade und Mitleid zu betteln. Das türkische Volk und seine kommenden Generationen sollten das niemals vergessen.” 1927

“Dieses Volk hat niemals in Abhängigkeit gelebt, kann es auch nicht und wird es auch nicht. Entweder Freiheit oder Tod.” 1919

Weiterhin können wir in dem Turm ein Modell der gesamten Monumentsanlage sehen, deren Funktion anhand von beleuchteten Tafeln erläutert wird.

 

Der Unabhängigkeitsturm

Auf dem Relief des sich zur linken Seite der Löwenstraße befindlichen Turms, sehen wir eine Engelsfigur, die ein Papier in der Hand hält, während sich neben ihr ein scheuendes Pferd aufrichtet. Der Engel symbolisiert die Freiheit als etwas heiliges, das Papier in seiner Hand enthält die Unabhängigkeitserklärung. Auch das Pferd steht für Freiheit und Unabhängigkeit. Schöpfer des Reliefs ist Zühtü Müridoğlu.

An den Wänden lesen wir folgende Zitate Atatürks:

“Das einzig wichtige für das türkische Volk ist, würdig und ehrenhaft zu leben. Die Grundlage dafür ist jedoch die Unabhängigkeit. Ein Staat kann im Reichtum und Überfluss leben, wenn er nicht unabhängig ist; hat er in der modernen Gesellschaft die Funktion eines Knechtes, wird er niemals einen höheren Status erreichen.” 1927

“Meiner Meinung nach wird ein Volk, das würdig, ehrenhaft, anständig und menschlich ist, immer die Chance zur Unabhängigkeit haben.”

“Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit gibt es nur in Verbindung mit der Herrschaft eines Volkes.”

“Unser Volk war seit seiner Geschichte immer ein Beispiel für Freiheit und Unabhängigkeit”.

Weiterhin kann in dem Turm eine Fotoausstellung, die die Bauarbeiten dokumentiert, besucht werden. Steinexemplare, die während des Baus verwendet wurden, sind ebenfalls ausgestellt.

 

Gruppe der Frauenfiguren

Vor dem Turm der Freiheit sehen wir eine Gruppe von drei Frauenfiguren in türkischer Volkstracht. Die rechte und die linke Frau tragen einen aus Ähren gewundenen, bis zum Boden reichenden Kranz in den Händen, der die Fruchtbarkeit des Landes darstellen soll. Die linke Frau trägt außerdem in ihrer linken Hand eine Schale, mit der sie Gott um Gnade für Atatürk bittet, während die mittlere Frau ihr weinendes Gesicht mit den Händen bedeckt.

Diese Frauenfiguren sollen die Ernsthaftigekit und den Ehrgeiz der türkischen Frauen ausdrücken, die sich selbst in der tiefen Trauer um Atatürk nicht unterkriegen lassen. Hüseyin Özkan schuf diese Figuren.

 

2. Gruppe der Männerfiguren

Vor dem Unabhängigkeitsturm treffen wir auf eine Skulpturengruppe von drei Männern, deren rechter mit seinem Stahlhelm und Soldatenmantel den türkischen Soldaten darstellt. Die Figur neben ihm trägt ein Buch in den Händen. Sie symbolisiert den jungen türkischen Intellektuellen. Etwas hinter den beiden Figuren sehen wir einen türkischen Bauern in seiner Nationaltracht. Der Bildhauer Hüseyin Özkan hat versucht, in den Gesichtern der drei Männer die tiefe Trauer und die für das türkische Volk so typische Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit auszudrücken.

 

Löwenstraße

 Wer dem Mausoleum Atatürks seine Ehre erweisen will, kann sich auf der 22 m langen, rechts und links von 24 Löwen flankierten Auffahrt darauf vorbereiten. Die Löwen symbolisierten in der von Atatürk so sehr geschätzten Kultur der Hethiter, Kraft und Ruhe. Auch diese Figuren stammen von Hüseyin Özkan.

 

 

Festplatz

Die Löwenstraße mündet in den 129 x 84.24 m großen Festplatz, auf dem sich 15.000 Menschen versammeln können. Die gelben und weißen Steine des Bodens sind zu 373 verschiedenen Teppich- und Kelimmotiven angeordnet.

 

Soldatenturm

Rechts am Ende der Löwenstraße steht der Soldatenturm, der an der Außenwand ein Relief trägt, auf dem sich ein junger Soldat von zuhause verabschiedet, um in den Krieg zu ziehen. Das Gesicht seiner Mutter, die ihm eine Hand auf die Schulter gelegt hat, trägt einen traurigen aber trotzdem stolzen Ausdruck. Das Relief stammt von Zühtü Müridoğlu.

An den Wänden finden wir Zitate Atatürks, die sich auf das Soldatentum und die türkischen Fauen beziehen.

“Der türkische Soldat hat die Bedeutung der antolischen Kriege begriffen, er kämpft für ein neues Land.” 1921

“In der ganzen Welt gibt es keine fleißigere Frau als die anatolische Bäuerin.” 1923

“Es gibt keinen Standard, an dem man den Einsatz und und die Heldenhaftigkeit der jungen Türken messen könnte.”

Gleichzeitig werden im Turminneren Bücher zu den Themen Atatürk und Mausoleum angeboten, sowie man hier auch Geschenkartikel kaufen kann.

 

Bibliothek “Atatürk und die türkische Revolution”

Zwischen dem Soldatenturm und dem Siegesturm befindet sich innerhalb des Gebäudes der Verwaltung für Museum die Bibliothek, zu dem Thema “Atatürk und die türkische Revolution”, auch zum Zweck für kulturelle Ereignisse benutzbar. Diese Fachbücherei, in der wir Atatürks Bücher zum Volksaufstand und der verschiedenen Reformen sowohl in türkischer alsauch fremder Sprachen vorfinden, ist für Laien und Fachleute täglich von 9.00 – 12.30 und von 13.30 – 17.00 Uhr geöffnet.

 

Siegesturm

In diesem Turm, an dessen Wänden Atatürks Zitate zu der Geschichte der wichtigsten Kriege zu lesen sind, steht der Kanonenwagen, mit dem Atatürk nach seinem Tode, am 19.11.1938 vom Dolmabahçe Palast in Istanbul zur Schiffsflotte in Sarayburnu überführt wurde.

 

İsmet İnönüs Sarkophag

 Zwischen Friedens- und Siegesturm befindet sich ein Säulengang, in dem der Sarkophag des am 25.12.1973 verstorbenen engsten Mitstreiter Atatürks, Befehlshaber der Westfront und zweiten Staatspräsidenten der türkischen Republik, İsmet İnönü. Sein tatsächliches Grab ist jedoch ein Stockwerk tiefer. İsmet İnönü wurde am 28 Dezember 1973 nach einem Kabinettsbeschluss hier bestattet.

 

Friedensturm

Im Inneren des Turmes sehen wir ein Relief, das Atatürks Ausspruch “Frieden im Land, Frieden in der Welt” dokumentieren soll. Ein Bauer wird dargestellt, der von einem sein Schwert ausstreckenden Soldaten geschützt wird. Damit soll ausgedrückt werden, dass die türkische Armee der Garant für den Frieden im Land ist und das Volk unter seinem Schutz friedlich seinem Tagewerk nachgehen kann. Das Relief stammt von dem Künstler Nusret Suman.

An den Wänden finden wir Atatürk-Zitate zum Frieden.

“Die Weltbürger sollten fern von Neid, Gier und Rachsucht erzogen werden.” 1935

“Frieden im Land, Frieden in der Welt.”

“Solange nicht das Leben eines Volkes bedroht wird, ist Krieg immer Mord.“ 1923

Die Lincoln-Limousine, die Atatürk in den Jahren 1935 – 1938 als Dienst- und Repräsentantenwagen benutzt hat, ist ebenfalls in diesem Turm ausgestellt.

 

Turm des 23. April

Hier finden wir ein Relief, das die erste Parlamentseröffnung am 23. April 1920 darstellt. Wir sehen eine Frau, die in der Hand ein Papier hält, auf dem “23.April 1920” steht. In der anderen Hand trägt sie einen Schlüssel, der die Eröffnung des Parlamentes bedeuteten soll. Hakkı Atamulu hat dieses Relief geschaffen.

Zitate Atatürks zu diesem denkwürdigen Tag finden wir an den Wänden.

“Es gab nur einen Beschluss, nämlich einen unabhängigen, vom Volk regierten Staat zu schaffen”. 1919

“Die einzige geltende Vertretung des türkischen Staates ist das Große Volksparlament.”

“Die Ansichten, die Kraft, Macht und Herrschaft sollten von der Regierung direkt auf das Volk übertragen werden. Die Macht sollte in den Händen des Volkes liegen.”

Außerdem ist in diesem Turm der Privatwagen Atatürks, ein Caddilac, den er in den Jahren 1936 – 1938 benutzt hatte, zu besichtigen.

 

Fahnenmast

Von der Seite Çankayas aus führen 28 Stufen zum Festplatz des Monumentes hinauf, in dessen Mitte sich ein 33.53 m hoher Fahnenmast befindet, an dem die türkische Nationalfahne weht. Dieser aus einem Stück angefertigte Metallmast ist der höchste seiner Art in ganz Europa und wurde im Jahre 1946 von dem in Amerika ansässigen Fahnenmastfabrikanten Nazmi Cemal als Geschenk hierhergebracht. Er steckt in einem 4 m hohen Sockel, auf dessen Reliefs verschiedene Symbole zu sehen sind:

Eine Fackel steht für die türkische Zivilisation, ein Schwert für die Angriffsmacht, ein Stahlhelm für die Verteidigung, ein Eichenzweig für den Sieg und ein Olivenzweig für den Frieden. Symbolisch weht über den Werten Verteidigung, Sieg, Frieden und Zivilisation die türkische Fahne. Die Arbeit stammt von Kenan Yontuç.

 

Turm des Nationalen Aufstands

Hier ist auch das Museum untergebracht, an dessen Eingang sich ein Relief von Nusret Suman befindet, auf dem vier, sich über einem Schwertgriff umfassende Hände zu sehen sind. Diese Komposition soll den Eid, den das türkische Volk geschworen hat, um sein Land zu retten, darstellen.

An den Wänden stehen wiederum Zitate Atatürks zu den Ereignissen während des Volksaufstandes:

“Das Volk hat den nationalen Eid zur Rettung seines Landes mit eiserener Hand auf die Seiten der türkischen Geschichte geschrieben.” 1923

“Wir wollen innerhalb unserer Staatsgrenzen frei und unabhängig leben.” 1921

“Völker ohne nationale Idendität sind Freiwild für andere Staaten.” 1923

In der Mitte des Turmes steht ein Pult, auf dem ein Gästebuch ausliegt, in dem sich Teilnehmer der Festivitäten eintragen können. Auf Schautafeln sind einige wichtige Zeremonien, an denen Atatürk teilgenommen hatte, fotografisch festgehalten.

 

“Anıtkabir” Museum

Gemäß den Bedingungen des Anıtkabir-Projektwettbewerbes sollte der Platz zwischen dem Turm des Volksaufstandes und dem Revolutionsturm für die Errichtung eines Museums genutzt werden. Am 21 Juni 1960 konnte dieses Museum, in dem Privatgegenstände, Geschenke und Kleidungsstücke Atatürks ausgestellt sind, eröffnet werden.

Außer Orden und Plaketten gibt es auch noch einige Objekte aus Atatürks Privatleben zu sehen, die seine Ziehkinder A.Afet Inan, Rukiye Erkin und Sabiha Gökçen dem Museum zu Verfügung gestellt haben.

 

Turm der Revolution

Der Turm stellt eine Fortsetzung des Museums dar, in dem wir Kleidungsstücke Atatürks besichtigen können. Das Relief von Nusret Suman an der Innenwand zeigt eine kraftlose Hand, die eine fast verlöschende Fackel darstellt. Während diese Darstellung das untergehende Osmanische Reich symbolisiert, steht die mit großen Flammen zum Himmel lodernde Fackel für die neue Republik und die Revolution, mit der Atatürk dem Volk zu dem Status einer modernen zivilen Gersellschaft verholfen hat.

An den Innenwänden lesen wir Zitate Atatürks zur Revolution und den darauffolgenden Reformen.

“Wenn nicht Männer und Frauen gemeinsam für ein Ziel marschieren, sind die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen für eine moderne Zivilisation nicht geschaffen.”

“Wir bekommen unsere Inspirationen nicht vom Himmel oder einer unbekannten Macht, sondern direkt aus dem Leben.”

In der Kleiderausstellung ist ebenfalls eine von dem ehemaligen Rektor der Anadolu Universität, Prof. Dr. Yılmaz Büyükerşen, angefertigte Wachsfigur Atatürks zu sehen.

 

Republiksturm

Der Eingang dieses Turm wird häufig für Kunstausstellungen benutzt.

An den Wänden finden wir folgende Aussprüche Atatürks:

“Unsere größte Kraft und und unser sicherster Halt ist, dass der Begriff der Volksherrschaft vom Volk verinnerlicht und in in die Praxis umgesetzt wurde”

Ferner sind Modelle der Klösterlichen Lehranstalt für Militär, an der Atatürk seinerzeit ausgebildet wurde, sowie das Kongressgebäude in Sivas und Erzurum und des I.Türkischen Parlaments ausgestellt.

 

Kunstgalerie

Zwischen dem Republiksturm und dem Turm zur Verteidigung der türkischen Nationalrechte sind in einer Galerie die Privatbücher Atatürks ausgestellt.

Die Wände schmücken Ölgemälde, die ausländische Staatsbesucher mit Atatürk zeigen. Die Gemälde stammen von Rahmi Pehlivanlı.

In einem Filmvorführraum können wir Dokumentarfilme zu Atatürk, dem Bau des Monuments und der Nationalen Volksbewegung sehen.

 

Turm zur Verteidigung der türkischen Nationalrechte

Die Reliefs an den Außenwänden des Turms haben die Verteidigung der nationalen Rechte, als Grundlage für die Einheit des Volkes während des Befreiungsskrieges zum Thema.

Wir sehen einen Jungen, der in einer Hand ein Schwert hält, während er mit der anderen Hand auf die über die Grenzen eindringenden Feinde weist und “Halt!” zu rufen scheint. Unter seiner ausgestreckten Hand symbolisiert ein großer Baum das türkische Land, das durch den Jungen, der für das während des Befreiungskrieges vereinte Volk steht, geschützt wird. Das Relief ist von Nusret Suman.

Zum Thema Verteidigung der türkischen Nationalrechte können wir an den Wänden folgende Aussprüche Atatürks lesen:

“Eine Vorherrschaft der nationalen Macht und Widerstandskraft ist notwendig” 1919

“Ab jetzt wird das Volk für sein Leben, seine Unabhängigkeit und seine gesamte Existenz persönlich verantwortlich sein.” 1923

“Die Geschichte kann niemals das Blut, das Recht und die Existenz eines Volkes bestreiten.” 1919

“Aus dem Herzen und Gewissen des türkischen Volkes wurde ein klarer Wunsch und Glaube geboren: Die Befreiung.” 1927

In dem Turm werden regelmäßig Ausstellungen zum Thema “Atatürk und die Volksbewegung” gezeigt. Ein Modell der Militärakademien, an der Atatürk ausgebildet wurde, befindet sich ebenfalls hier.

 

Relief mit dem Titel “Der Kampf auf dem Schlachtfeld von Sakarya”

Auf der linken Seite des Reliefs sehen wir einen Jungen, zwei Pferde, eine Frau und einen Mann, die während der ersten Kriegsperiode Haus und Hof verlassen haben, um ihr Land zu verteidigen. Der Junge hat seine geballte Faust dem Feind entgegen gereckt, was soviel bedeutet wie, “Eines Tages kommen wir zurück und rächen uns.”

Vor dieser Dreiergruppe ist ein im Schlamm versunkener Wagen zu sehen, Pferde, die sich abrackern, den Wagen herauszuziehen, ein Mann und zwei Frauen, die versuchen, die Wagenräder zu bewegen und ein aufrechtstehender Held, dem eine vor ihm knieende Frau ein Schwert darbietet. Diese Gruppe symbolisiert den Zeitabschnitt vor der Schlacht in Sakarya. Links von dieser Gruppe sind zwei Frauen und ein Kind dargestellt, die das türkische Volk darstellen, die unter feindlicher Besetzung die türkische Armee erwarten. Über allem schwebt ein Siegesengel, der Mustafa Kemal einen Kranz entgegenstreckt.

Zum Schluss sehen wir noch eine Frau, die das Mutterland symbolisieren soll. Sie deutet auf einen jungen knieenden Soldaten und einen Eichenzweig, der den Sieg der türkischen Armee in der Sakarya-Schlacht darstellt. Das Relief wurde von Ilhan Koman geschaffen.

 

Schlacht des Oberbefehlshabers

Eine Bauersfrau, ein Junge und eine Gruppe Pferde symbolisieren auf dem Relief von Zühtü Müridoğlu die Periode in der Türkei, als sich das Volk zum Aufstand bereit machte. Im nächsten Teil ist Atatürk abgebildet, der eine Hand ausgestreckt hat und der Armee ihr Angriffsziel, das Mittelmeer zeigt. Der Engel im Vordergrund leitet diese Botschaft mit einem Sprachrohr in die Weite hinaus. Nun sehen wir die unter großen Verzichten und mit viel Wagemut Atatürks Befehl ausführende türkische Armee in einer Kriegsszene; ein verletzt dahinsinkender Soldat, ein die türkische Fahne umklammernder Held und ein hinter einem Schutzwall liegender, mit Schwert und Schild ausgerüsteter Soldat machen die offensive Haltung der Armee deutlich. Ein Siegesengel mit der türkischen Fahne in der Hand ruft die Soldaten zum Sieg.

 

Mausoleum

Zum wichtigsten Teil des Monuments, dem Mausoleum, steigt man über eine 42stufige Treppe hinauf. In der Mitte der Treppe befindet sich ein Rednerpult. Dieses Marmorpult wurde von Kenan Yontaç geschaffen. Der Zeremonienplatz rings um das Pult ist mit geometrischen Motiven geschmückt, in seiner Mitte sind die Worte Atatürks “Die Herrschaft gehört unter allen Umständen dem Volk” eingearbeitet.

Das Mausoleum befindet sich auf einem Grundriss von 72 x 52 x 17 m und ist vorn und hinten von 8 m hohen, an den Seiten von 14.40 m hohen, insgesamt 14 Säulen umgeben. An der Vorderfront des Mausoleums lesen wir links Atatürks Ansprache an die Jugend, auf der rechten Seite seine Ansprache, die er anlässlich des 10. Jahresjubiläums der Republik gehalten hatte. Die Buchstaben sind ausgemeißelt und mit Gold nachgepinselt.

 

Ehrenhalle

Man betritt die Ehrenhalle durch eine bronzene Tür. Rechts vom Eingang sehen wir Atatürks letzte Botschaft an die türkische Armee vom 29.10.1938, auf der linken Seite die Beileidsbekundung, die der 2. Staatspräsident der Republik, İsmet İnönü, anlässlich Atatürks Tod dem Volk ausgesprochen hat. Diese beiden Texte wurden 1981 zum 100. Geburtsjahr Atatürks dort angebracht.

Gegenüber dem Eingang, in der Nische vor einem großen Fenster steht der symbolische Sarkophag Atatürks. Der aus einem Stück bestehende Stein ist aus rotem Marmor und wiegt 40 Tonnen. Der Platz, auf dem der Block steht, ist mit weißem Marmor aus Afyon ausgelegt. Der Marmor für den Boden der Ehrenhalle stammt aus Adana und Hatay, die Wände sind mit rotem, schwarzem, grünem und tigerfellfarbenem Marmor aus Afyon und Bilecik vekleidet.

Die aus 27 Streben bestehende Decke und die Böden der Nebengalerien sind mit Mosaiken verziert. Auf der rechten und linken Seite der 17 m hohen Ehrenhalle sind jeweils sechs bronzene Fackeln aufgestellt. Das Flachdach des Mausoleumbaus ist mit Bleiplatten gedeckt.

 

Grabkammer

Atatürks Leichnam ist im Erdgeschoss des Mausoleums in einer Grabstätte beerdigt, die sich in einer Grabkammer direkt unter dem symbolischen Sarkophag befindet. Diese Kammer hat nach seldschukischem und osmanischem Bauprinzip einen achteckigen Grundriss, eine pyramidenförmige Decke, die mit geometrischen Mosaiken geschmückt ist. Der Boden und die Wände sind mit schwarzem, weißem und rotem Marmor verkleidet. In der Mitte der Grabkammer sehen wir einen kleinen in Richtung Mekka ausgerichteten Sarkophag, um den Messingvasen mit Erde aus allen türkischen Provinzen, einschließlich der Zypriotischen Türkischen Republik, gruppiert sind.

 

Alagöz-Quartier-Museum

Nachdem die Feinde während des Sakarya-Krieges bis kurz vor die Stadt Polatlı vorgedrungen waren, entschloss sich der Befehlshaber der Westfront, in dem zwischen Ankara und Polatlı gelegenen Dorf Alagöz ein Frontquartier einzurichten.

Als Unterkunft bot einer der dörflichen Grundbesitzer, Türkoğlu Ali Ağa, sein Farmhaus an. Nach dem Sakarya-Krieg wurde das ehemalige Quartier wieder von seinen ursprünglichen Besitzern und deren Nachkommen bewohnt. 1965 wurde das Gebäude, von den Erben, dem türkischen Ministerium für Erziehung und Bildung überschrieben. 1967 übernahm eine Abteilung der Verwaltung des Anıtkabir-Museums, und zwar das Museumsamt für historische Schätze das Gebäude und begann mit den Restaurationsarbeiten für das zukünftige Museum. Am 10. November 1968 konnte das obere Stockwerk für Besucher geöffnet werden, 1983 waren auch die unteren Räume soweit hergerichtet, dass sie zur Besichtigung freigegeben werden konnten.

Das Museum enthält in 12 Räumen folgende Sektionen: Kleidung, Bibliothek und Gedenkstücke, Esszimmer, Küche, Schreibstube, Zimmer des Oberbefehlshabers, Raum der Stabsabordnung, Ruheräume, Adjudantenzimmer, Atatürks Schlafraum und Esszimmer, sowie ein Zimmer für diensthabende Soldaten.

 

APPELL ATATÜRKS AN DIE TÜRKISCHE JUGEND

Du, türkische Jugend!

Es ist stets Deine erste Aufgabe, die türkische Unabhängigkeit und die türkische Republik bis in alle Ewigkeit zu schützen und zu verteidigen.

Dies ist der Grundstein für Deine Existenz und Zukunft. Dieser Grundstein ist Dein wertvollster Schatz. Auch in Zukunft wird es im In- und Ausland Menschen geben, die Dich Deines Schatzes berauben wollen. Solltest Du eines Tages genötigt sein, die Unabhängigkeit und die Republik zu verteidigen, so erfülle diese Aufgabe ungeachtet Deiner Dir gebotenen persönlichen Möglichkeiten und Bedingungen. Deine Freiheit und die Republik können von Feinden mit schlechten Absichten bedroht, alle Institutionen besetzt und jede Ecke des Landes feindlich errungen worden sein. Und noch schlimmer als dies: Es können Personen, die das Land regieren, auf den falschen Pfad geraten sein und ihre Macht missbrauchen. Die Nation kann in Armut, Ausweglosigkeit und Erschöpfung geraten sein.

Kinder der türkischen Zukunft, selbst unter all diesen Umständen, ist es Eure Aufgabe, die türkische Unabhängigkeit und Republik zu retten. Die Kraft, die Ihr dazu benötigt, fließt im adeligen Blut Eurer Adern. (1927)

Adresse: Anıt Caddesi Tandoğan/Ankara

Tel: (312) 231 79 75